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  Samstag, 18. November 2017
 
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Die wiederkehrende Angst vor dem Schreibrausch PDF Drucken E-Mail
 

Bei jedem Schreibprojekt komme ich irgendwann an den Punkt: Es gibt Tage, da verwende ich den Computer nur um Mails zu lesen, auf facebook herumzuklicken oder um ein wenig Zeit im Internet zu verschwenden. Dass auf meinem Desktop Texte in unterschiedlichen Stadien weiterbearbeitet werden sollen, nehme ich zur Kenntnis – geöffnet wird aber keines dieser Dokumente. Außerdem ist es Zeit, die Ein-Aus-Tabellen meiner Buchhaltung zu vervollständigen. Ich räume zur Sicherheit auch gleich ein wenig meinen Schreibtisch auf, links vom Computer hat sich ein Zettelberg angehäuft, Weihnachtswunschlisten meiner Tochter, eine Terminkarte vom Zahnarzt, eine Einkaufsliste, die Visitenkarte der Massagetherapeutin, die ich schon seit längerem anrufen will, um einen Termin zu vereinbaren, die Schere, ein Networkingprotokoll, die Letztversion meines Romanes, mit Anmerkungen und Feedback, nicht einmal hineingeschaut habe ich, stattdessen habe ich den Roman ruhen lassen, abhängen lassen, reifen lassen, warum überhaupt noch Bücher schreiben?

 Eine gute Methode, dem Schreiben aus dem Weg zu gehen, besteht darin, das Buch so weit wie möglich wegzuschieben, den letzten Ausdruck unter Papierkram verschwinden zu lassen, die Dateien am Desktop als schöne Icons zu bewundern, ohne mit dem Mauszeiger auch nur in die Nähe davon zu kommen, und wenn ich drei Minuten lang in dieser Datei-Öffnungs-Hemmung verharrt und nur ins Narrenkastl gestarrt habe, startet die Diashow als Bildschirmschoner, da muss ich gar nicht mehr klicken, sondern kann mich einfach zurücklehnen und mich an den Schnappschüssen aus den letzten zehn Jahren erfreuen...

 Es funktioniert auch gut, das Schreiben bis zum Abend hinaus zu schieben – am Abend bin ich oft viel zu müde, um noch am Schreibtischsessel sitzen zu wollen, noch dazu bin ich am Abend immer viel weitsichtiger als am Morgen, da fällt es schwer, auf den Bildschirm zu fokussieren.

 
Am Morgen schreiben? Vor den Mails, den Telefonaten, den Coachinggesprächen? Wie kann ich mich davon am besten abhalten? Auf jeden Fall mal mit facebook starten und ein bisschen meine Kinder stalken und Fotos angucken, Nachrichten beantworten. Junkmail löschen, Termine sortieren, Aufgabenüberblick, so eine lange Liste, der Roman ist schon längere Zeit von der Liste verschwunden, er führt wohl grad ein geheimes Doppelleben, so geheim, dass ich von meinen eigenen Romanfiguren ausgesperrt werde, he, lasst mich rein!

 Warum sollten wir? Du willst dich nicht mehr auf uns einlassen, lässt uns da stehen, ohne den Höhepunkt auszuformulieren, lässt uns in der Spannung vor der Verwandlung, ständig an der Kippe, und dann traust du dich natürlich nicht rein, hast Angst vor dieser Spannung, dieser Intensität, davon ergriffen und hingerissen zu werden. Aber genau diese Ergriffenheit, Besessenheit braucht es, um das Buch abschließen zu können. Wir haben es also mit einer Torschlusspaniksituation zu tun – wenn das Projekt schon ins finale Stadium kommt - rien ne va plus! merde!

 

Wie gut, dass ich diesen Totpunkt schon kenne – es ist die wiederkehrende Angst vor dem Abschlussschreibrausch – wenn ich meine Kräfte bündle, um ganz in ein Buch einzutauchen, alles um mich herum vergesse, ganz besessen bin davon, einen runden Abschluss zu schaffen – und mich diesem rauschhaften flow ergebe… Die Nüchternheit danach – daran will ich jetzt noch nicht denken, diese Leere, ich kann mich nur wenig freuen, wenn ein Buch fertig ist – das Schönste ist doch, es zu schreiben –und dann der Abschlussschreibrausch!

  

 

 

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 17. Oktober 2013 )
 
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